Retro Box

Wer die Entwicklung des Lautsprecherbaus in den zurückliegenden Jahren aufmerksam verfolgt der wird feststellen, dass die „Geiz ist geil“ Strategie voll gegriffen hat. Im Handel gibt es eine breite Masse von Billigprodukten, die vom Kunden wie Nektar eingesogen werden.

Mit der Aussage große Lautsprecher wirken im Wohnzimmer nur störend und außerdem hat mein Radio einen super Klang, verteidigt der Käufer seinen Erwerb. Nachbars haben übrigens auch die Box eines bekannten amerikanischen Herstellers. Mit nur 5 cm Höhe klingt das Ding kräftig und großartig und diese Bässe, ich möchte nie wieder etwas anderes haben.

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Damit der Selbstbauer nicht in Versuchung gerät billigen Schrott zu kaufen, bieten wir ebenfalls eine preiswerte Box an. Mit der Aufgabenstellung: „Konstruiere einen Lautsprecher, der preislich unter 75,-€ liegt.“ wollten wir die Sache angehen. Das erscheint nicht einfach, ist aber möglich. Die Firmen Visaton und Monacor bieten nämlich Ersatzlautsprecher für ältere Boxen an. Man verzichtet dabei auf preistreibendes Material, wie z.B. große Magneten, Gusskörbe, Entlüftungen der Schwingspule, usw. Mit einem etwas größerem Gehäuse und bei genauer Trennung des nutzbaren Frequenzbereiches lassen sich mit diesen Chassis sehr wohlklingende Lautsprecher bauen.

Design

Bei einer betagten Konstruktion der Komponenten, sollte auch das Äußere dieser Zeit entsprechen. Zur schrillen Mode der 70iger Jahre passt dann die Farbgebung der Box.

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Als Material wurde Leimholz Kiefer verwendet, das sieht gebeizt sehr gut aus und ist einfach herzustellen. Bei MDF dagegen ist der Aufwand für eine saubere Oberflächengestaltung etwas höher.

Der Einbau des Hochtöners ist simpel, da der breite flache Korbrand eine Einfräsung überflüssig macht. Beim Tiefmitteltöner dagegen wirkt der Korb aufgesetzt sehr unschön. Auch dieses Problem lässt sich lösen, indem das Chassis von Innen angesetzt wird. Um den Einfluss der Gehäusekante gering zu halten, ist diese jedoch zu Fasen oder abzurunden. Bei der Befestigung achte man allerdings genau auf die Länge der Schrauben, sonst gibt es eine böse Überraschung.

Die Chassis

Die Bauart des verwendeten Konushochtöners findet man heute nur noch selten vor. Wir verwenden den HT-22/8 von Monacor, der aufgrund seiner Bauweise einfach zu fertigen und daher auch preiswert ist.  Bei 12 mm Schwingspulendurchmesser ist die Leistungsaufnahme mit 20 W begrenzt, andererseits ist ein Kennschalldruck von 91 dB durchaus mit heutigen Kalottenchassis vergleichbar. Bei einem Preis unter 10,- € lassen sich ebenso die etwas größeren Herstellungstoleranzen verschmerzen.

Auch der 17 cm Tiefmitteltöner SPM-165 ist von Monacor. Mit diesem Chassis wurden in der Selbstbauszene schon einige sehr gute Projekte verwirklicht. Bei einem Preis um die 30,- € ist es der ideale Spielpartner für unseren HT-22/8.

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Die Frequenzweiche

Vielfach ist es so, dass bei den eher preisgünstigen Treibern eine komplizierte Frequenzweiche den Frequenzgang begradigen muss. So könnte eine Weiche den anvisierten Preisrahmen sehr schnell sprengen. Genau das wollten wir vermeiden, indem nur so viele Bauteile wie unbedingt nötig eingesetzt wurden.

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Der SPM-165 hat bei 5 kHz eine deutliche Spitze im Frequenzgang und aufgrund der Resonanzfrequenz des HT-22 um 1500 Hz ist eine 12 dB Trennung bei ca. 2,5 kHz erforderlich.

Leider kommt man um die Linearisierung des Baffle Step mittels RCL-Glied nicht umhin. Dies ist dann schon alles.

Technische Daten der Lautsprecherbox

Prinzip2 Wege, geschlossene Box
Nennimpedanz8 Ohm
Belastbarkeit60 W
Übertragungsbereich60 Hz...16 kHz (-8 dB)
Kennschalldruck85 dB
Maximalpegel (1m)105 dB zwischen 100 Hz und 15 kHz
Gewicht5,0 kg
Abmessungen350 mm x 200 mm x 340 mm
Nettovolumen15 L

Frequenzgang

Fg, Retro, Intertechnik

Fazit

Um dem Preisrahmen gerecht zu werden, wurden zwei Oldie-Treiber von Monacor genutzt und der Aufwand für die Frequenzweiche wurde auf ein Minimum reduziert. Das Gehäuse ist einfach nachzubauen, da komplizierte Einfräsungen nicht erforderlich sind. Ebenso ist die Farbgebung mit Wasserbeize nicht im Geringsten teuer.

Den Exemplarstreuungen des Hochtöners kann durch einfaches Verändern des Widerstandsnetzwerkes der Frequenzweiche begegnet werden. Vielfach reicht bereits eine gehörmäßige Anpassung aus.

Test vom HT-22

Test und Einsatz des SPM-165

Information zum Bausatz Retro Box

3 Gedanken zu „Retro Box“

  1. Ich finde die Box nicht überzeugend. Wenn ich mich schon stundenlang in den Keller stelle darf der Preis aber auch die Qualität ruhig etwas höher sein.

    1. Ich bitte dazu die vollständige Beschreibung der Box in meinem Internetshop zu lesen. Obwohl die Konstruktion der beiden Chassis nicht auf dem neuesten techn. Stand ist, kann die Box klanglich als auch messtechnisch durchaus mit weitaus teureren Exemplaren mithalten.

  2. Moin zusammen 🙂
    Ich finde das Konzept super. Das ist ein Lautsprecher, der das Zeug zum Klassiker hat. Solche Lautsprecher zeigen einmal mehr, was für ein schmales Budget mit Selbstbau erreicht werden kann.

    LG
    hoschibill

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