MM-Box (Mundorf-Morel)

Das ist schon etwas Besonderes, eine Kombination des Mundorf AMT mit einem Morel Chassis.

MM-Box
MM-Box

Üblicherweise haben kleine Kompaktboxen einen Nachteil, sowohl der Hochton- als auch der Tieftonbereich sind begrenzt und damit können Kompaktboxen mit den 3 Wege-Standboxen nicht mithalten. Eine Erweiterung des oberen Frequenzbereiches ist im Allgemeinen mit teureren Hochtönern möglich, damit bleibt das Problem im Tiefton aber immer noch.

Einige wenige Chassis versprechen sogar in kleinen Gehäusen einen ordentlichen Tiefgang. Zu dieser Gruppe gehören die Morelchassis, die durch eine hohe bewegte Masse tiefe Resonanzfrequenzen ermöglichen.

Deshalb haben wir ein neues Projekt gestartet. Als Hochtöner verwenden wir einen Air Motion Transformer (AMT), der für seine exzellente Wiedergabequalität bekannt ist. Der passende Tiefmitteltöner  ist ein Morel CAW 634 mit einer Resonanzfrequenz von 43 Hz. Dies ermöglicht eine untere Grenzfrequenz um 32 Hz. Das Pärchen passt so gut zusammen. Der AMT kann ab 2800 Hz eingesetzt werden und der Morel Tieftöner kann bis 3000 Hz betrieben werden.

Die Gestaltung des Gehäuses

Besonderes Augenmerk wurde der Gehäusefront gewidmet. Die Kantengestaltung ist nämlich nicht nur für einen gradlinigen Frequenzgang des Hochtöners, sondern auch für das Abstrahlverhalten unter Winkeln bedeutsam. Im Hörraum stellt sich der akustische Eindruck durch die Summe von Direktschall und Reflexionsschall ein. Folglich sollte der unter Winkeln abgestrahlte Schall ebenso einen ausgewogenen Frequenzgang aufweisen wie der axiale Schall.

Die Problematik liegt nun darin, dass der seitlich abgestrahlte Schall eines Hochtöners infolge seiner kurzen Wellenlänge direkt von der nächstliegenden Gehäusekante beeinflusst wird. Der Schall bildet an der Kante eine Sekundärschallquelle, die mit der direkten Schallquelle reagiert. Durch Interferenz kommt es zu Verstärkungen und Auslöschungen des Schalls.

Da dieser Vorgang durch geeignete Kantengestaltung verringert werden kann, wurden zwei typische Fronten miteinander verglichen:

schräge Kante
schräge Kante
gleichmäßige Fase
gleichmäßige Fase

Mit Kalottenhochtönern ergaben sich bisher eindeutige Vorteile bei der Anwendung trapezförmiger Fasen. Erstaunlicherweise waren beim AMT keine nennenswerten Unterschiede zwischen den beiden Gehäusefronten feststellbar. Wir führen das auf die Eigenschaften des AMT als Flächenstrahler zurück. Unter einem Winkel von 900 ist der Schalldruck  recht gering und der AMT  „sieht“ nur sehr wenig Kante, die einen Einfluss ausüben könnte.

Sonogramm der MM-Box
Sonogramm der MM-Box

Im Sonogramm ist ersichtlich, dass unter 900 bereits Dämpfungswerte zwischen 20 und 25 dB auftreten. Da die trapezförmige Fase keine Vorteile bringt, verblieben wir bei der beidseitigen Fase.

Die Frequenzweiche

Eigentlich sind die Morel Chassis als breitbandig bekannt und damit wäre ein 6 dB Tiefpass völlig ausreichend. So richtig konnten wir uns dieser Aussage nicht anschließen. Unsere Messung des Tiefmitteltöners im Gehäuse fällt nicht so linear aus.

Eine 12 dB Trennung ist in diesem Fall sicherlich die bessere Wahl. Um 1000 Hz ist eine deutliche Erhöhung der Amplitude durch den Baffle Step ersichtlich. Die Begradigung erfolgt mittels Saugkreis am CAW 634.

Nach mehrfachem optimieren ergibt sich folgende Schaltung:

Frequenzweiche MM-Box
Frequenzweiche MM-Box

Die damit verbundene Simulation entspricht unserer Zielvorstellung:

Simulation des Frequenzganges der MM-Box
Simulation des Frequenzganges der MM-Box

Die in der fertigen Box gemessene Trennfrequenz liegt ein wenig über dem simulierten Wert. Entsprechend der Mundorf Empfehlung wird nun korrekt bei 2800 Hz getrennt.

Fazit:

Die Erweiterung des Frequenzbereiches einer Kompaktbox dürfte als gelungen gelten. Neben einem breiten Frequenzband sind bei der Wiedergabe die Verzerrungen so gering, dass diese unhörbar bleiben. Der Klirrfaktor bleibt ab 150 Hz kontinuierlich unter der 1% Marke. Die unangenehm klingenden ungeraden Oberwellen, also K3 und K5 sind kaum auszumachen. Der AMT mit seinen großen Reserven in der Wiedergabelautstärke kommt in unserem Fall überhaupt nicht in Bereiche, in denen ein höherer Klirr entsteht.

Erstaunlich gut fällt das Sonogramm aus. Die bei Zweiwegelautsprechern übliche Einkerbung des Amplitudenganges unter Winkeln ist nicht feststellbar. Die Anpassung des Morel Chassis an den AMT weist keine Fehler in der seitlichen Abstrahlung auf.

Frequenzgang unter Winkeln
Frequenzgang unter Winkeln

Der Hörtest wurde im Vergleich mit der Dynaudio Kompaktbox X18 durchgeführt. Egal in welcher Reihenfolge der Hörtest durchgeführt wurde, einmal eingeschaltet wollte man die MM-Box überhaupt nicht mehr durch die Dynaudio-Lautsprecher ersetzen. Klanglich sind also keine relevanten Unterschiede auszumachen. Eine Differenz bleibt allerdings, die Dynaudio X18 kostet einiges mehr als die MM-Box.

Entscheiden Sie nun selbst:

Dynaudio X18
Dynaudio X18

X18 für ca. 700,-€ oder

MM-Box
MM-Box

MM-Box zum Selbstbau für ca. 350,-€.

Beide Boxen können Sie in unserem Shop kaufen:

Dynaudio X18

Mundorf-Morel Box

 

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